New translation: Some theory behind iMine

Mittwoch 15. Februar 2012, von B E Gottlieb

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Was ist iMine?

- eine Art Schuldzerstäuber-App für den Konsumenten moderner Elektronik.

Aber ganz im Ernst: wir alle wissen, dass sich hinter der Hochglanzfassade techno-utopischer Visionen eine unglamouröse Realität verbirgt - die Welt der Bergwerke und Lagerhäuser, von riesigen Lastern und Schiffen, Förderbändern und Packfabriken, ohne die keins der fantastischen Produkte, die uns heute so gefallen, je hergestellt worden wäre. Mit iMine graben wir nach dem Sinn des Lebens im digitalen Zeitalter. Diese Suche hat uns zum Ursprung aller digitalen Dinge, zur Hardware, geführt, und zu den Ursprüngen der Hardware in den Mineralien in der Erde, ausgegraben in der Mine.


Die Mine ist der Schauplatz für den Ursprung digitaler Technologie, und daher ist sie auch der Ort, von dem aus wir eine Vorstellung von Sinn /Sinnhaftigkeit im digitalen Zeitalter entwickeln können. So wie die Wissenschaft rohe Erze aus dem Erdboden nimmt und zu jenen exotischen Mischungen destilliert, die wir für moderne Elektronik brauchen, so können auch wir uns aus den Minen unstrittige soziale und historische Fakten nehmen, die uns helfen können, uns einen Reim zu machen auf uns selbst.


Ein Beispiel: wir leben in einer Zeit, die nicht viel auf Fakten gibt. Wir vertrauen der Wissenschaft, weil sie große technische Innovationen zu liefern scheint, die jeden Tag auf unser Leben einwirken. Die Wissenschaft offeriert keine Fakten, sondern Wirkungen. Man vertraut heute eher auf diese Wirksamkeit als auf irgendeine Wahrheit. Durch ihr augenscheinlich reibungsloses Funktionieren scheint die Technik zu beweisen, dass die hinter ihr stehende Wissenschaft „wahr“ ist. Und daher vertrauen wir ihr, ohne genau zu wissen, was wahr ist in dieser Wissenschaft, die Technik funktionieren lässt. Diese Ignoranz bezüglich der Grundlage unseres Vertrauens in die Wissenschaft eröffnet einen trüben Ort innerhalb unseres Bewusstseins, in dem Unsicherheit nachhallt.


Unser Vertrauen in die Wissenschaft erlaubt uns, neue Technologien mit (und trotz) all ihrer Mankos zu akzeptieren und anzunehmen: Wirtschaftskriege, Umweltzerstörung, soziale Unruhen, GAUs, Sklaverei Zeitarbeit. Unsicher, was die Grundlage für unser Vertrauen in die Wissenschaft angeht, haben wir zwei Alternativen: wir studieren diese Wissenschaft (sehr zeitaufwändig und nicht nach jedermanns Geschmack) oder wir suchen nach etwas anderem, das so glaubwürdig sein kann wie Wissenschaft, keine Religion, sondern etwas, das wir näher kennen lernen können, das uns helfen kann, die Präsenz all dieser digitalen und technischen Dinge in unserem Leben zu verstehen.


iMine schlägt einen archäologischen Versuch vor, eine Chronik des sich Eingrabens in die Oberfläche der digitalen Botschaft auf dem Bildschirm, um die darin gespeicherten Fragmente von Menschenleben zu Tage zu fördern. Diese Leben sind in Beziehungen eingebunden, und diese Gewebe fragmentierter Leben, die hinter der Kreation digitaler Technologie stehen, sind in der Tat mirakulös. Durch das Entdecken, das Untersuchen und Erkunden dieser narrativen Gewebe aus Menschenleben am Ursprung unserer digitalen Technologien können wir anfangen, einen Sinn auszumachen, und dieser Sinn ist sozial.


Wer zum Beispiel war gestern in der Mibra Mine in Nazareno, Brasilien, nach Tantal grabend für die nächste iPad Generation? Wie hießen sie, wie alt waren sie? Es ist eine Tatsache, dass sie gestern da waren, und Sie vermutlich nicht. Und diese Tatsache ist instrumental für die wissenschaftliche Tatsache, dass – was auch immer die Technologie aus dem von ihnen geförderten Mineral gemacht hat – diese Technik funktioniert.


iMine zielt also darauf, eine Zurkenntnisnahme und ein Interesse an den Bedingungen am Urgrund der digitalen Technologie aufzubauen. Es geht nicht darum, die Bedeutung derer weiter oben in der industriellen Hackordnung zu schmälern, der Designer, Investoren usw., aber iMine möchte die Wichtigkeit, die verschiedenen Rollen innerhalb dieses globalisierten industriellen Prozesses zugeschrieben wird, neu ausbalancieren.


Wenn wir anfangen, unsere Technik als Portal zur versteckten inneren Mechanik unserer globalisierten Gesellschaft zu sehen, kann das den Wunsch in uns wecken, aktiv zu werden und dazu beizuragen, diese Gesellschaft für alle so fair zu gestalten wie eben möglich. Das kann bedeuten zu akzeptieren, dass wir mehr zahlen für Technik, damit jeder einen besseren Anteil bekommt, oder wir hinterfragen unfaire internationale Regularien, die viele Länder davon abhalten, eigene digitale (oder andere) Industrien zu entwickeln. Mit besseren sozialen Beziehungen, und zwar an jeder Station in der Produktion digitaler Technologien, werden wir eine bessere Technik haben, eine Technik, die unsere Sorge für alle, die überall auf der Welt an dieser Technik mitwirken, widerspiegelt.


Die Schuld des Elektronikkonsumenten kann nicht vergeben werden, sie ist nur auflösbar von innen. Mit iMine können wir anfangen, an der Öffnung jener schuld-bewehrten Tür zu arbeiten, die uns von einer wirklich emanzipierten Freude an unseren menschlichen Fähigkeiten, an unserem Wissen und unserer Technik trennt.

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